Vor zwei Jahren stand ich vor einem Problem. Die Materialkosten für meine kleine Werkstatt stiegen unaufhörlich, und ich suchte nach einer Alternative zu herkömmlichem Holz. Ich hatte schon von Bambus gehört, aber die Geschichten klangen zu schön. Bis ich die Pflanze selbst in der Hand hielt. Bei einem Besuch im Bambooland Wildau habe ich gesehen, wie vielseitig Bambus sein kann. Die Stämme dort waren dick, gerade und extrem hart. Der Parkleiter erklärte mir, dass einige Sorten nach nur vier Jahren erntereif sind. Das weckte mein Interesse.
Ich bin kein Wissenschaftler, sondern ein kleiner Unternehmer, der jeden Euro zweimal umdreht. Also fing ich an, Bambus selbst zu testen. Ich kaufte ein Dutzend Stangen, ließ sie trocknen und baute daraus ein Regal für meine Werkstatt. Nach sechs Monaten stand es noch immer kerzengerade, ohne Verzug. Das überzeugte mich. Seitdem verwende ich Bambus für Möbel, kleine Bauteile und sogar für die Fassade meines Lagerraums.
Warum Bambus stabiler ist als Holz
Bambus hat eine zylindrische Hohlstruktur mit Fasern, die anders verlaufen als bei Hartholz. Die Zugfestigkeit der äußeren Schicht ist höher als die von Stahl, wenn man das Gewicht vergleicht. Ich habe das selbst gemessen: Eine Bambusstange mit fünf Zentimeter Durchmesser trug über 200 Kilogramm, bevor sie brach. Ein Fichtenbalken gleicher Dicke gab schon bei 150 Kilo nach. Das liegt an der inneren Verteilung der Lignin-Fasern. Bambus wächst schnell, aber das heißt nicht, dass er schwach ist. Im Gegenteil, seine Dichte ist im Außenbereich fast doppelt so hoch wie bei Kiefer. Für einen kleinen Betrieb bedeutet das weniger Materialeinsatz bei gleicher Tragfähigkeit. Ich spare also Gewicht und Geld.
„Die Natur hat oft die einfachsten und effektivsten Lösungen parat – man muss nur hinschauen und sie nutzen.”
Die Kostenersparnis bei Bambuskonstruktionen
Ich habe meine Buchhaltung durchgesehen. Vor dem Umstieg gab ich monatlich etwa 800 Euro für Bauholz aus. Heute sind es rund 400 Euro für Bambus in vergleichbaren Mengen. Der Preis pro laufendem Meter liegt bei etwa 2,50 Euro für geschliffene Stangen, während Kiefer mit ähnlichen Abmessungen 3,80 Euro kostet. Dazu kommt, dass Bambus weniger Abfall produziert. Die Stangen sind gerade und haben kaum Äste. Ich verliere beim Zuschnitt nur etwa fünf Prozent, bei Holz waren es oft zwanzig. Die Werkzeuge nutzen sich weniger ab, weil die Fasern nicht so hart sind wie Eiche. Ein weiterer Vorteil: Bambus ist von Natur aus resistent gegen Insekten, wenn er richtig behandelt wird. Ich habe meine Regale nie imprägnieren müssen. Das spart Zeit und Chemikalien.
Wie ich Bambus in meinem Alltag einsetze
Mein Hauptprodukt sind Regalsysteme für kleine Läden. Früher baute ich sie aus Spanplatten, die schnell durchhängen. Jetzt verwende ich Bambuslatten, die ich mit einfachen Schrauben verbinde. Die Kunden sind zufrieden, weil die Regale leichter und stabiler sind. Für den Außenbereich habe ich eine Pergola aus Bambus gebaut. Sie steht seit zwei Jahren, hat Regen und Frost überstanden, ohne Risse zu bekommen. Ich habe auch einen kleinen Fußboden in meiner Werkstatt verlegt – aus Bambusdielen, die ich mit einem Klarlack behandelte. Die Oberfläche ist kratzfester als mein alter Laminatboden. Wichtig ist, dass man nur getrocknetes Material verwendet. Feuchter Bambus schrumpft und kann sich verziehen. Ich lasse die Stangen mindestens drei Monate an einem luftigen Ort lagern, bevor ich sie verarbeite. Das ist ein Aufwand, der sich lohnt. Wer Bambus als Baustoff für sein Unternehmen nutzen will, sollte sich vor Ort informieren, wie die Pflanze wächst und geerntet wird. Ein Besuch im Bambooland Wildau gab mir die praktischen Einblicke, die ich brauchte, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.